Körperzentrierte Traumatherapie
Trauma ist weder Krankheit noch Störung, sondern Verletzung. Traumafolgereaktionen sind ein komplexes hochintelligentes psychosomatisches Selbstschutzsystem.
Peter Levine
Grundsätze
- Das Wissen um die Inhalte des Traumas, oder der Zeitpunkt, hat entgegen der landläufigen Meinung nicht die wichtigste Relevanz in der Traumatherapie.
- Viel wichtiger ist das klare Wissen über die individuellen posttraumatischen Symptome, und das Wissen um die Möglichkeiten des Umgangs mit diesen Symptomen.
- Für den von einer posttraumatischen Belastungsstörung betroffenen Menschen bedeutet dies, dass er noch wesentlich mehr als der nicht betroffene Mensch Zeit und Energie in seine Selbst-Fürsorge investieren muss.
TraumaTherapie
Die konkrete Praxis der Traumatherapie besteht aus einem Zusammenspiel verschiedener Struktur-Bausteine. Diese Bausteine sind:
- Psycho-Edukation: diese besteht aus der kognitiven Erklärung der wesentlichen psycho-physischen Zusammenhänge beim Trauma.
- Symptom-Klärung: Posttraumatische Symptome unterscheiden sich in zwei grobe Unterteilungen, zum einen existieren körperliche Symptome, zum anderen Stresssymptome im Kopf, z. B. Dissoziationen, Ängste, Konzentrationsprobleme etc.
- Erlernen und Einüben der Fähigkeit zur Selbst-Regulierung bei Akut-Triggerung der Symptome (Containment). Dieser Prozess findet zunächst mit Hilfe von Co-Regulation durch den Therapeuten statt, danach durch selbstständiges Einüben.
Weitere Bausteine
Körpertherapie
Hierbei stehen die körperlichen Symptome im Vordergrund. Die körperlichen Symptome haben ihre Ursache im Bereich des zellulären Systems. Durch Traumata können bestimmte Bereiche des „Zell-Systems“ aus ihrer genetisch vorgegebenen Spur geraten. Die betroffenen Körperzellen stellen ihre Funktion nicht gänzlich ein, aber sie geraten in eine „Irritation“. Diese Irritation zeigt sich in leichten Fällen als ein „ins Stocken geraten“, in schwereren Fällen als eine regelrechte „Erstarrung“ (Freeze-Modus). Eine nachhaltige Heilung der vor allem körperlichen Symptome ist nicht ohne eine Körpertherapie möglich! Hierzu bedarf es einer körperpsychotherapeutischen Begleitung und „Navigation“ durch die sich wiederholenden Symptome hindurch.
Ego-State-Therapie
Hierbei stehen die Stresssymptome im Kopf im Vordergrund. Zunächst gilt es, stabile und positive Ego-States von dysfunktionalen zu unterscheiden. Dysfunktionale Ego-States haben in der traumatischen Situation vorrübergehend eine kompensatorische Funktion in Form von Denkmustern übernommen, die jedoch inzwischen ihren Sinn und Zweck verfehlen. Der Umgang mit ihnen gerät ohne therapeutische Begleitung zu einem permanenten „sich-im Kreis-drehen“. Daher ist eine therapeutische Begleitung dringend notwendig.
Selbstfürsorge
(Wieder) – Erlernen von Selbstfürsorge: Selbst bei einem guten Gelingen des Traumatherapie-Prozesses mithilfe des Therapeuten und einer entsprechenden Reduzierung der posttraumatischen Symptomatik bedarf es zur Stabilisierung und Verbesserung der Lebensqualität einer im Grunde lebenslangen eigenständigen Selbst-Fürsorge. Diese Selbst-Fürsorge bezieht sich sowohl auf den körperlichen wie den geistigen Bereich des Menschseins.